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Wieso finden Bauunternehmen keine qualifizierten Mitarbeiter mehr?

  • Autorenbild: Marie Eckmann
    Marie Eckmann
  • 9. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 12 Stunden

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Eine Frau in dunkelgrauem Anzug sitzt einem Mann mit hellgrauem Anzug gegenüber und hält ein Clipboard in der Hand.

Die Baubranche ist eine der meist belasteten Branchen heutzutage. Gründe dafür sind undurchsichtige Auftragslagen, zu wenig qualifizierte Bewerber und der ständige Preiskampf mit der Konkurrenz. Besonders mittelständische Bauunternehmen spüren diese Entwicklung im Tagesgeschäft. 

Um die zunehmende Belastung reduzieren zu können, müssen Bauunternehmer jetzt mit der Zeit gehen. Im Folgenden analysieren und erörtern wir die Gründe, die dir das Recruitment aktuell erschweren, und was du dagegen tun kannst.


Der Demografische Wandel

Laut des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) bremst der demografische Wandel den Arbeitsmarkt zunehmend aus. So wird prognostiziert, dass 2026 die Anzahl der erwerbstätigen Menschen in Deutschland um rund 35.000 Personen sinken wird. Das wirkt auf den ersten Blick gering, hat aber große Auswirkungen, weil viele dieser Arbeitskräfte in ohnehin stark betroffenen Branchen fehlen. Grund dafür ist unter anderem die alternde Baby-Boomer Generation, die nach und nach aus dem Arbeitsmarkt austritt. In 2025 rechnete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit einem Abbau von 130.000 Stellen im Industriesektor. 2026 wird ein weiterer Rückgang von 70.000 erwartet. 


Fachkräftemangel

Ein zentrales Problem in Deutschland ist der aktuelle Fachkräftemangel. Besonders betroffen davon sind unter anderem der Sozialsektor, die Gastronomie und vor allem die Baubranche. Eine bedeutsame Ursache neben dem demografischen Wandel ist die Verschiebung von Berufs- und Bildungspräferenzen der Generation Z. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich nach ihrem Schulabschluss für ein Studium. Dabei ist die Akademisierung nicht per se problematisch, sie verschiebt jedoch das Verhältnis zwischen akademischen und praktischen Fachkräften spürbar.

Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass sich 2024 etwa 2,87 Millionen junge Menschen entschieden haben, ein Studium zu beginnen. Das ist im Vergleich zu 2002 ein Zuwachs von knapp 48%. Zur selben Zeit fiel die Anzahl der Auszubildenden auf 1,22 Millionen, was im Vergleich zum Jahr 2002 einen Rückgang von 24,9% bedeutet. 

Als zusätzliche Belastung gelten die Verordnungen und Gesetzesentwürfe, die ab 2025/26 greifen werden. Das aktuellste und wohl bekannteste Gesetz ist das seit 2020 aktive GEG (Gebäudeenergiegesetz). Es besagt, dass neue, in deutschen Gebäuden verbaute Heizungen mit mindestens 65% erneuerbarer Energie betrieben werden müssen. Viele klassische SHK-Installateure sind zum Beispiel nicht ausreichend für die Installation komplexer Elektronik- und Kältekreisläufe qualifiziert. 

Ohne spezielle Fortbildung führt dies zu ineffizienten Anlagen oder Installationsfehlern. Das GEG erhöht damit nicht den Fachkräftemangel an sich, verschiebt jedoch die Qualifikationsanforderungen innerhalb bestehender Berufsprofile.

Schreib uns gerne für mehr Recruiting Tipps:


Paradoxer Stellenabbau trotz Fachkräftemangel 

Trotz eines anhaltenden Fachkräftemangels ist ein Stellenabbau in der Baubranche zu verzeichnen. Dieses Paradoxon entsteht aus einer Vielzahl an Faktoren.


Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft lag die Quote der gebauten Wohnungen in 2025 bei etwa 235.000. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang auf 215.000 Wohnungen erwartet. Das liegt unter anderem an hohen Materialkosten, gestiegenen Zinsen und Finanzierungsproblemen der Kunden. Das ifo stellte fest, dass das Beschäftigungsbarometer im Dezember 2025 auf 91.9 sank, während es im November noch bei 92,5 Punkten lag. Das sei laut der ifo der niedrigste Wert seit Mai 2020. Der Stellenabbau ist daher primär konjunkturell bedingt und steht nicht im Widerspruch zu langfristigen strukturellen Engpässen am Arbeitsmarkt.

Trotz der wirtschaftlich prekären Lage der letzten Jahre wird mit einer graduellen Entspannung in 2026 gerechnet. Nach einem Rückgang des realen Bauvolumens um 3,7 % im Jahr 2024 und einem weiteren Minus von 0,8 % in 2025, prognostiziert das DIW für 2026 erstmals wieder ein reales Wachstum von 2,0 %.


Die Zahlen sprechen dafür, Recruiting nicht als Kostenfaktor, sondern als strategische Vorbereitung auf die erwartete Markterholung zu verstehen. Gerade in dieser Phase entscheidet nicht die Anzahl offener Stellen, sondern die Qualität der Recruiting-Prozesse über zukünftige Handlungsfähigkeit.

Deshalb lohnt es sich, jetzt den eigenen Recruiting-Ansatz kritisch zu hinterfragen. 


  1. Kurze Reaktionszeiten

Eine positive Bewerbererfahrung (candidate experience) ist ein zentraler Faktor für eine starke Arbeitgeber Wahrnehmung. Kurze Reaktionszeiten, unabhängig davon, ob es sich um eine Einladung, Zusage oder Absage handelt, signalisieren Wertschätzung und Professionalität. Lange Wartezeiten führen dagegen häufig dazu, dass Bewerber abspringen oder sich für andere Arbeitgeber entscheiden.


  1. Differenzierung

Eine unklare oder austauschbare Stellenanzeige erschwert die Gewinnung qualifizierter Bewerber. Entscheidend ist, konkrete Alleinstellungsmerkmale (USPs) herauszuarbeiten, die den eigenen Betrieb von der Konkurrenz abheben. Vorteile wie flexible Arbeitsmodelle oder moderne Ausstattung werden nur dann wirksam, wenn sie klar und nachvollziehbar kommuniziert werden.


  1. Fokus auf Referenzen legen

Unter Zeitdruck werden Bewerbungen häufig nur oberflächlich geprüft. Das erhöht das Risiko von Fehlbesetzungen, die langfristig mehr Aufwand verursachen, als sie kurzfristig sparen. Ein klarer Fokus auf relevante Qualifikationen und Referenzen ist daher entscheidend, um nachhaltige Personalentscheidungen zu treffen.


Fazit

Planungssicherheit ist in der Baubranche angesichts konjunktureller Schwankungen und struktureller Herausforderungen längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit der eigenen Zukunftsfähigkeit auseinanderzusetzen und heute die Weichen für morgen zu stellen. Wer rechtzeitig in stabile Strukturen investiert, schafft die Grundlage, um kommende Marktphasen besser abzufedern und langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Wer sich intensiver mit nachhaltigem Wachstum und zukunftsfähigem Recruiting in der Baubranche beschäftigen möchte, kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen.




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